Richtig streiten in der Beziehung – so kommst Du zum Ziel

Maximilian Pütz

Heute geht es um das Thema Streiten – ein Thema, das Euch alle betrifft, denn in Beziehungen wird nun mal gestritten – manchmal mehr, manchmal weniger. Das ist auch der Grund, warum Hollywood-Filme immer dann enden, wenn sich das Liebespaar gefunden hat. Der mitunter turbulente und streitreiche Beziehungsalltag passt einfach nicht zur Romantik, die der Produzent transportieren möchte.

 

 

Eigene Problematik aufarbeiten

 

Zunächst mal:

 

Wenn man für längere Zeit auf engem Raum zusammenlebt und Emotionen teilt, ist Streiten etwas vollkommen Natürliches.

 

Bedenken sind eher dann angebracht, wenn nie gestritten wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass irgendetwas im Verborgenen schlummert, das unterdrückt wird. Insbesondere kommt es dann zu Konflikten, wenn man noch nicht so viel innere Seelenarbeit betrieben hat. Die ganzen Verletzungen aus der Kindheit kommen dann heraus und werden auf den Partner projiziert. Wir sollten innerhalb der Beziehung die Chance nutzen, diese Problematiken aufzuarbeiten. Viele Leute erkennen das nicht, reflektieren ihre Persönlichkeit, ihre Situation nicht, wiederholen immer die gleichen Verhaltensmuster. Deshalb: Wenn Ihr merkt, dass Ihr ein Problem mit Euch selbst habt, arbeitet an Euch oder holt Euch professionelle Hilfe. Manchen hilft Meditation, manche machen eine Konfrontationstherapie oder heilen das innere Kind – eine spezielle psychotherapeutische Methode.

 

Da Frauen und Männer unterschiedlich sind, erwachsen Konflikte oft aus der reinen Kommunikation. Der erste Schritt ist, diese Tatsache zu begreifen und anzuerkennen.

 

 

Situation besprechen und  Lösungen  finden

 

In einem zweiten Schritt sind die Situation zu analysieren und geeignete Konsequenzen einzuleiten. Ganz viele Streits oder Missverständnisse entstehen aus der unterschiedlichen Wahrnehmung; oft gibt es einen Part, der fordernd auftritt und einen, der eher gleichgültig ist. Nehmen wir beispielsweise an, Deine Freundin möchte mit Dir etwas besprechen, ein bestimmtes Thema ausdiskutieren. Du reagierst genervt, indem Du irgendetwas in Deinen Bart nuschelst, ihre Forderung, ohne richtig hinzuhören, bestätigst, um Deine Ruhe zu haben. Deine Freundin nimmt aber auch dieses gemurmelte Eingeständnis als vollwertiges Eingeständnis wahr – das sie Dir nach kurzer Zeit schön aufs Brot schmieren kann.

 

In solchen Fällen macht es Sinn, die gefällten Entschlüsse noch einmal zusammenzufassen, dabei nachzufragen, ob man den anderen auch wirklich verstanden hat.

 

Ihr könnt Euch dann ganz sicher sein, dass es keine Missverständnisse gibt, kein „Wir schauen mal“, das falsch interpretiert werden könnte. Gerade bei wichtigen Entscheidungen ist diese Vorgehensweise wirkungsvoll.

 

 

Vermeide Verallgemeinerungen

 

 

 

Der nächste Aspekt ist Euch vielleicht schon bekannt, wenn Ihr Euch mit dem Thema Partnerschaft auseinandergesetzt habt: die Nutzung bzw. Vermeidung der Wörter „immer“ oder „nie“, etwa in Sätzen wie „Immer wirfst Du mir vor, ich würde anderen Frauen hinterherschauen“ oder „Nie bist Du für mich da, wenn ich Dich brauche“. Immer wieder machen Paare diesen Fehler, der in Streitsituationen die Konfliktlösung erschwert. Man verallgemeinert damit extrem und schickt den Partner in eine Defensivrolle. Er hat dann das Gefühl, sich verteidigen zu müssen.

Oft steckt eine bestimmte Emotion hinter einem solchen Generalvorwurf. Es geht dann zum Beispiel nicht um das Zuspätkommen, sondern um ein grundsätzliches Gefühl, nicht mehr beachtet und respektiert zu werden. Als Ergänzung ist es sinnvoll, immer aus der „Ich-Perspektive“ zu argumentieren, zu sagen „Ich habe das Gefühl, dass Du da etwas falsch machst“ oder „Ich fühle mich vernachlässigt von Dir“, denn eine Unterstellung ist immer eine subjektive Geschichte. Mit einem „Du bist …“ verallgemeinerst Du.

 

 

Streiten wegen Kleinigkeiten? – Finde den wahren Grund heraus

 

Ein Klassiker sind Konflikte wegen Kleinigkeiten, etwa die offene Zahnpastatube oder der nicht heruntergeklappte Toilettendeckel. Hier ist es wie beim Thema „Immer-Nie“:

 

Selten geht es wirklich um den geschilderten Sachverhalt, oft befindet sich das Problem in einer tieferen Schicht der Seele, vielleicht geht es um eine Verletzung oder um eine Enttäuschung, vielleicht um einen Mangel an Aufmerksamkeit.

 

Schließlich könnte das Problem mit einem kurzen Handgriff schnell behoben werden – es ist damit kein verhältnismäßiger Grund für einen Aufriss. Es gilt dann herauszufinden, welche „wahre“ Emotion hinter der Aufforderung steckt.

 

Versucht für Euch folgende Fragen zu beantworten: „Welche Streitthemen tauchen in Eurer Beziehung immer wieder auf?“, „Welchen Streitmustern folgt Ihr immer wieder?“, „Was ist die eine Sache, von der Du möchtest, Dass sie Deine Partnerin endlich versteht?“. Gerade die letzte Frage wird oft, verpackt in einem Gefühlsausbruch, als Vorwurf vorgetragen. Kein Wunder: Es handelt sich dabei um den Kern Deines Wesens, Dein tiefstes Ich. Würde Dein Partner endlich verstehen, was Dich bedrückt oder warum Du so bist, wie Du bist, würde Dir ein riesiger Stein vom Herzen fallen. Stelle Dir die Frage, was Dich an Deinem Partner am meisten wütend macht. Auch hier kann es sich um ein Kindheitstrauma handeln. Vielleicht bist Du von Deinen Eltern vernachlässigt worden und erlebst jetzt das Gleiche mit Deiner Partnerin; Du tickst dann richtig aus, wenn sie wenige Minuten vorher ein seit Wochen ausgemachtes Treffen sausen lässt.

 

 

Was tun bei Gewalt?

 

Gewalttätigkeit ist auch so ein Hilfeschrei. Je mehr Du in die soziale Kälte hineingehst und Dich nicht mehr für die Belange Deiner Partnerin interessierst, desto aggressiver wird sie. Das kann dann zu körperlicher Gewalt führen.

 

„Die Leute schreien so laut, weil sie gehört werden wollen“,

 

ist ein Satz, der es auf den Punkt bringt. Reicht das Schreien auch nicht mehr aus, sind Schläge unter Umständen die nächste Stufe. Es liegt dann im eigenen Ermessen, ob man die Beziehung direkt beendet oder ein Verständnis entwickelt. Es kommt etwa darauf an, ob es ein Ausrutscher war oder schon zur Regel geworden ist und ob man das Gefühl hat, der Partner wird sich bessern. In einer Beziehung brechen viele Wunden auf, da kommt unser Bestes und unser Dunkelstes zum Vorschein. Daher bin ich nicht der Meinung, wie viele Frauen, dass Gewalt zwingend zum Beziehungsende führen muss. Vielleicht findet man einen gemeinsamen Weg der Aufarbeitung.

 

 

Beziehung beenden?

 

 

Die Frage „Wann ist die Luft raus aus einer Beziehung?“ ist nicht leicht zu beantworten.

 

Jeder muss für sich selbst feststellen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, die Reißleine zu ziehen, eine allgemeingültige Regel gibt es nicht.

 

Ich checke immer meine persönliche Energiebilanz – bringt mir die Beziehung mehr Energie, als dass sie mir Kraft kostet. Natürlich gibt es immer mal Phasen, wo sie mehr Kraft kostet, erst wenn diese Phasen zu einem Dauerzustand werden, ist über den Sinn der Beziehung bzw. über die Gründe dieser Situation ausführlich nachzudenken. Schließlich sollte eine Beziehung ein Quell der Freude sein, eine Möglichkeit der Weiterentwicklung, keine Belastung.

 

 

Einander verstehen

 

Frauen lieben anders als Männer. Für sie dreht sich das ganze Leben um die Beziehung.

 

Daher entstehen für Frauen Konflikte auch aus Themen, die sich direkt auf die Entwicklung der Partnerschaft beziehen, etwa das Zusammenziehen. Verweigerst Du ihre Pläne, fasst sie das als fehlende Liebe auf. Du musst ihr in diesem Fall ganz genau und vor allem liebevoll erklären, dass Männer und Frauen verschieden ticken, Männer sich Autonomie wünschen. Für Frauen ist Autonomie an sich keine Qualität, nach der sie streben – es sei denn, sie geraten an einen Control-Freak. Je enger eine Beziehung, desto schöner für die Frau.

 

Im Übrigen merken sich viele Frauen jede Verfehlung, die Dir jemals unterlaufen ist – und knallen Sie bei passender Gelegenheit auf den Tisch. Hierfür gibt es eine grundlegende Regel, die bei den Amerikanern „Clean Sheet“ genannt wird. In einer ruhigen Minute oder auch nach einem Streit kannst Du sie fragen: „Wie wollen wir unsere Beziehung gestalten? Wollen wir uns jede kleinste Verfehlung merken und wieder hervorholen, wenn es uns gerade passt? Dann werde ich ab jetzt auch Buch führen. Oder wollen wir das Geschehene vergessen und uns auf die Gegenwart konzentrieren?“. Diese Regel hilft, sich im Streit auf das jeweils im Zentrum stehende Thema zu konzentrieren und nicht die Dinge von vor drei Jahren wieder herauszukramen.

 

Frauen sind einfach emotional – man sollte als Mann auch eine gewisse Toleranz mitbringen. Wir lieben Sie dafür ja auch ein Stück weit, auch wenn es manchmal anstrengend wird. Man muss individuell schauen, wo die persönliche Belastungsgrenze erreicht ist. Manchmal kann es sinnvoll sein, einfach den Ort zu wechseln, zu sagen: „Pass mal auf, ich merke, Du bist voller schlechter Laune. Ich habe jetzt fünf Minuten lang versucht, Dich runterzufahren, aber bei aller Liebe, es reicht jetzt, ich bin nicht Dein Punchingball. Ich gehe jetzt mit den Jungs weg, melde Dich, wenn Du Dich abgeregt hast.“ Sie kann also ihre Emotionen gerne ausdrücken, aber Du musst ihr auch klarmachen, dass Du nicht ewig dafür verantwortlich bist, diese Gefühle aufzufangen.

 

 

Streit aus Eifersucht

 

Streit entsteht auch oft durch Eifersucht. Eifersucht ist ein Irrglaube, ein Problem mit dem Selbstbewusstsein.

 

Ich war früher auch eifersüchtig, hatte Angst, meine Freundinnen zu verlieren. Irgendwann habe ich mich drastisch verändert, mir gesagt, wenn eine Frau denkt, dass ein anderer Mann besser für sie ist, dann kann ich ohnehin nichts daran ändern. Vielleicht ist es dann sogar gut, dass eine Trennung stattfindet, weil der andere besser zu ihr passt. Wenn man sich neu verliebt, ist das ein bisschen wie mit dem Wetter. Da hat man auch keinen Einfluss darauf. Man kann sich natürlich ärgern, wenn es regnet, oder man bleibt eben drin,  macht sich einen Tee und guckt endlich seine Lieblingsserie auf Netflix weiter. Je selbstbewusster Du bist, desto weniger bist Du eifersüchtig. Frauen geben das nicht zu, aber die Anziehung steigt mit der Unabhängigkeit des Mannes von ihr, mit dessen Fähigkeit, ihren Versuchen, ihn eifersüchtig zu machen, zu widerstehen.

 

 

Und Du?

 

Welche Streitthemen tauchen bei Dir immer wieder auf? Was ist Dein größtes Ärgernis mit Frauen?

 

Dein Maximilian

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