Sex-Flaute in Deiner Beziehung – warum und was tun?

Maximilian Pütz

Heute geht es um ein Thema, das in Gesellschaft, Medien und Privatleben so häufig wie kaum ein anderes besprochen und analysiert wird: Sex. Die schönste Sache der Welt – eigentlich. Denn manchmal dreht sich dieses unbeschreibliche Glücksgefühl hin zu einer großen Belastung. Dann sind die Erwartungen an Häufigkeit und Qualität des Sexlebens innerhalb der Beziehung zu hoch. Erwartungen, die von außen in die Beziehung hineingetragen werden, um dort zur eigenen Wahrheit zu avancieren.

 

 

Sex und seine Macht

 

Das Thema „Sex“ ist ein absolutes Minenfeld, welches die Macht besitzt, Beziehungen auseinanderzureißen. Frau oder Mann sitzen dann dem krassen Fehlglauben auf, dass Sex und Partnerschaft unabdingbar miteinander verknüpft sein müssen. Ich bin anderer Meinung – was Leute oft falsch verstehen. Sie behaupten, ich würde für das Konzept der offenen Beziehung plädieren, da es das einzig funktionale Modell sei. Das ist nicht mein Credo. Allerdings wachsen wir alle ganz selbstverständlich mit der gesellschaftlichen Erwartung auf, monogame Beziehungen führen zu müssen, wenn wir uns verlieben. Das ist der Status Quo. Da wird nichts hinterfragt. Einzig in alternativeren Kreisen werden abweichende Konzepte diskutiert und ausprobiert.

 

Meine Erfahrung ist, dass langfristige Liebe und Partnerschaft mit einer hundertprozentigen Monogamie nur sehr selten funktionieren. Oft ist der Sex der entscheidende Punkt, der Beziehungen auseinanderreißt, die eigentlich noch intakt sind.

 

Bei Paaren nimmt die Sexualität meist immer mehr ab, bis sie komplett erkaltet. Es gibt dann praktisch überhaupt keine Sexualität mehr, oder es kommt zum Klassiker: Fremdgehen. Die Zahlen steigen hier jedes Jahr an – kein Wunder, bei Möglichkeiten wie Tinder und Co, die den Seitensprung zum Kinderspiel machen und auch dessen Akzeptanz fördern. Ich sage oft im Scherz, ich lebe in meiner offenen Beziehung monogamer als die meisten scheinbar monogam lebenden Paare. Da ist was Wahres dran, denn ich kenne viele Paare, bei denen regelmäßig einer fremdgeht.

 

Eine offene Beziehung zu führen, bedeutet NICHT, keine Regeln zu haben und immer das zu machen, was einem gerade in den Sinn kommt.

 

Das ist absoluter Bullshit – aber einer der Hauptgründe, warum die Menschen so viele Probleme mit diesem Label haben. Offene Beziehung heißt erst mal nicht mehr, als dass man sich als Paar mit dem Thema Sexualität auseinandersetzt und überlegt, ob man Erotik exklusiv zwischen sich selbst ausleben will und wenn nicht, wie sie anders stattfinden kann. Das ist der Weg, den Paare in der Regel nicht gehen. Das ist auch in Ordnung, jeder Mensch hat das Recht festzulegen, dass er monogam leben möchte. Aber im Gegensatz zu anderen Flirt-Coaches, betrachte ich offene und monogame Modelle als gleichwertig.

Übrigens: Wenn ich von den Problemen der Monogamie rede, beziehe ich mich auf Beziehungen, die bereits sehr lange bestehen. Wenn sich jemand, der immer nur kurze Beziehungen hat, als felsenfester Monogamist präsentiert, dann muss ich lachen.

 

Zwei oder drei Jahre treu zu sein, ist keine große Herausforderung. Erst nach acht, zehn, zwölf Jahren wird es schwierig.

 

Oft genug durfte ich hinter die Fassade blicken, wenn sich mir die Frau oder der Mann anvertraut hat, sie oder er sei fremdgegangen oder spiele mit dem Gedanken. Langfristige monogame Beziehungen sind wirklich selten – insbesondere bei Leuten, die jünger als 40 sind. Sie sind auf jeden Fall der härtere Weg. Wenn Ihr ihn gehen wollt, dann müsst Ihr Möglichkeiten identifizieren, neue Impulse in Euer Sexleben zu bringen.

 

Wie gesagt: Es gibt diese Spezialisten, die immer wieder nach kurzer Zeit – etwa nach einem oder zwei Jahren – ihren Partner austauschen und sich gleichzeitig auf die Fahne schreiben, absolut monogam zu leben. Für mich ist das ein Etikettenschwindel, denn diese Leute schaffen es nicht, über die Phase der Verliebtheit hinaus am Partner interessiert zu sein. Sie wechseln ihn, wenn Sie sich mit ihm ordentlich ausgetobt haben, solange eben, wie es spannend war. Erst bei Beziehungen, die sehr lange laufen, kann man von echter Monogamie reden. Das Interessante ist auch, dass wir die Monogamie als gottgegeben annehmen – als sei sie schon immer das Modell schlechthin gewesen. Tatsächlich handelt es sich um ein eher modernes Konzept, das durch die Kirche salonfähig gemacht und im Mainstream verankert wurde. Es gibt immer noch viele Kulturen, die andere Maßstäbe anlegen.

 

 

Monogamie! – Oder vielleicht doch mal etwas anderes ausprobieren?

 

 

Für Paare, die eine offene Beziehung führen wollen, gibt es mehr Möglichkeiten als einfach zu machen, was man will, und mit jedem, der einem gefällt, gedankenlos ins Bett zu springen. Zum Beispiel der Besuch eines Swingerclubs, oder die Hinzunahme einer weiteren Person oder eines Paares. Swingerclubs sind nicht mehr nur der Platz für schnauzbärtige Taxifahrer und Oma Erna, dort werden keine Schnittchen mehr serviert, diese Peinlichkeiten sind Vergangenheit – mittlerweile gibt es sehr hochwertige, moderne Clubs, in denen man sich auch als junger Mensch gerne aufhält.

 

Übrigens ist der Gang in den Swingerclub nicht gleichbedeutend – das ist auch so ein Vorurteil – mit der festen Entscheidung für Geschlechtsverkehr mit einer anderen Person.

 

Es ist nicht so, dass jeder über jeden herfällt; die Männer besitzen keine Freikarte, mit Deiner Freundin schlafen zu dürfen. Ich war zwei, drei Mal dort, da lief nichts mit anderen Paaren, aber es war trotzdem ein anregendes Erlebnis. Der Besuch eines Swingerclubs kann neue Impulse in Eure Partnerschaft bringen, vielleicht wird Eure Sexualität neu entfacht. Das bringen die spezielle Atmosphäre und die Möglichkeit, andere beim Sex beobachten zu können oder sich selbst beobachten zu lassen, mit sich. Der Rest entwickelt sich – wenn und in welcher Form Ihr das wollt. Noch dazu ist das ein guter Weg, seine eigene Eifersucht abzubauen.

Stichwort „Partnertausch“. Vielleicht kostet Dich das zunächst etwas Überwindung, aber vielleicht hast Du einen guten Freund, jemanden, mit dem Du Dich blind verstehst, den Du Deiner Freundin sexuell anvertrauen kannst. Ich finde das auf jeden Fall entspannter, als wenn ein x-beliebiger Vollidiot aus der Dorfdisko seinen Trieb an ihr auslebt. Vielleicht kannst Du das als bewusstes Geschenk an ihn betrachten, das Du ihm aufgrund des immensen Vertrauens zwischen Euch machst. Bei Frauen sieht das anders aus, hier steht die Angst im Fokus, Du könntest Dich in ihre Freundin womöglich verlieben. Sie könnte ihrer Freundin jedenfalls nach dem Akt nicht mehr in die Augen schauen. Eine fremde Dame verursacht hier weniger Misstrauen und Bedenken. Männer und Frauen – als Paare betrachtet – machen fast alles miteinander. Sie gehen tanzen, essen, ins Kino. Nur bei der Sexualität hört der Spaß auf. Für viele ist hier Eifersucht ein großes Thema. Das muss nicht sein und zumindest probieren sollte man etwas bevor man es kategorisch ablehnt, gerade wenn die eigene Sexualität eher zu wünschen übrig lässt.

 

Teilt mit einem Paar den Raum und beobachtet Euch gegenseitig beim Sex. Das  kann sehr  anregend sein.

 

Sexualität in der Beziehung

 

 

Es ist wichtig, neben der Verliebtheit die Sexualität zu kultivieren. Ein Paar, das fünf oder zehn Jahre lang zusammen ist, sitzt in den seltensten Fällen zuhause vor dem Fernseher und wird plötzlich von der Geilheit übermannt. Im Gegenteil nimmt die Sexualität mit der Zeit immer weniger Platz ein, da Frau und Mann so viel zu tun haben. Der Sex hat einfach die geringste Priorität, da man ihn theoretisch immer haben kann. Oft und insbesondere bei langen Partnerschaften kommt der Appetit mit dem Essen – man denkt eigentlich, die Lust sei gar nicht vorhanden, gerät dann aber mit den ersten Berührungen total in Fahrt.

 

Verabredet Euch gezielt für Sex-Sessions oder andere romantische Rituale.

 

Das ist erfolgversprechender als diese ganzen Tipps aus Frauenzeitschriften, wie z. B. „tragt Reizwäsche auf“, etc. Ein weiterer wichtiger Punkt: Distanz. Distanz hilft, die gegenseitige Leidenschaft länger aufrechtzuerhalten. Wenn Ihr nicht die ganze Zeit aufeinandersitzt, sondern beispielsweise mal eine zweiwöchige Reise mit Euren Freunden unternehmt, dann ist das Bedürfnis nach Eurem Partner hinterher stärker. Die Liebe und das sexuelle begehren wird revitalisiert. So ist der Mensch – wenn er etwas die ganze Zeit vor der Nase hat, ist es uninteressant – ist es weg, plötzlich furchtbar spannend. Gebt Euch also zumindest örtliche Freiheiten.

 

Habt keine Angst davor, Eure sexuellen Bedürfnisse anzusprechen, neue Impulse wie Swingerclubs oder Pärchentausch offen in Betracht zu ziehen.

 

Seid neugierig, immer im Dialog, schaut, was Ihr machen wollt, wo Eure Grenzen liegen. Einfach zu schweigen und zu hoffen, dass die Leidenschaft einfach so zurückkommt, ist das Schlechteste, was Ihr tun könnt. Lasst Euch nicht von Medien, Gesellschaft und Freunden einreden, es sei seltsam, nur ein- oder zweimal im Monat Sex zu haben. Jeder kennt doch die Paare, die erzählen, wie oft sie es treiben. Bei denen läuft meist gar nichts mehr. Lasst Euch dadurch nicht unter Druck setzen. Es ist völlig normal, dass der Sex irgendwann nicht mehr im Vordergrund steht. Für mich ist er ohnehin eher nachgelagert, wenn es um die Bewertung einer Beziehung geht. Loyalität und Freundschaft sind für mich viel wichtiger.

 

Der Sex ist schön und sollte stattfinden, aber es ist auch kein Problem, wenn Ihr weniger oder eine bestimmte Zeitlang überhaupt keinen Sex habt.

 

Stress oder Schwangerschaft können Gründe hierfür sein. Sollte einer über Jahre hinweg keinen Sex mehr mit dem Partner haben wollen, sind Lösungen zu finden, denn meiner Meinung nach ist es nicht vertretbar, jemandem ein Leben ohne Sex zuzumuten.

 

 

Jetzt höre ich schon einige von euch schreien… Aber was ist mit den Kindern???

 

Was ist, wenn Kinder im Spiel sind? Nun, die Kinder interessieren sich nicht für das Sexleben ihrer Eltern. Schon gar nicht, wenn sie erst im Kindergarten- oder Grundschulalter sind. Richtet Eure Aktivitäten so ein, dass Eure Kinder nichts mitbekommen, wenn Ihr in einen Swingerclub geht oder es bei einem befreundeten Pärchen krachen lasst. Wofür gibt es schließlich Nannys? Verantwortungsvolle Eltern gehen nicht mit ihrer Sexualität vor ihren Kindern hausieren, ihnen ist egal, was Ihr treibt, solange Ihr Euch nicht im Kinderzimmer breit macht. Kinder nehmen positiv wahr, wenn Ihr in Eurer offenen Beziehung glücklich seid, genauso wie sie spüren, wenn in Eurer monogamen Beziehung der Wurm drin ist, etwa weil einer keinen Sex mehr will.

 

 

Und  Du?

 

Jetzt interessiert mich Deine Meinung zu dem Thema. Wie lebst Du das mit Deinem Partner und warum? Vielleicht bist Du Dir auch noch unsicher, was das richtige „Modell“ für Dich ist.

 

Dein Maximilian

 

 

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1 comment

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Maximilian Pütz
Anonym
8. September 2017 at 1:43

Hallo Maximilian,

ich schätze deine Arbeit ja sehr und sie hat mir sehr in meinem eigenen Leben geholfen, aber ich glaube, dass du bei der offenen Beziehung auf dem Holzweg bist.

Du schreibst: „Aber im Gegensatz zu anderen Flirt-Coaches, betrachte ich offene und monogame Modelle als gleichwertig.“ Das ist genau der Fehler. Die beiden Modelle sind nicht gleichwertig. Die monogame Beziehung hat sich über Jahrtausende hinweg bewährt und Gesellschaften Zusammenhalt und soziale Sicherheit gegeben. Der monogame Westen war die Wiege der Zivilisation, und zwar auch wegen seiner relativ strikten Sexualmoral. Erst mit der sexuellen Revolution wurden diese traditionellen Normen Schritt für Schritt unterhöhlt und abgeschafft. Die sexuelle Revolution war aber kein natürlicher Prozess, sondern wurde von den Eliten und dem Staat beeinflusst. Du sagst ja selbst, dass Rockefeller den Feminismus finanziert hat. Genauso geschieht es mit vielen anderen kulturmarxistischen Ideen, die an staatlichen Universitäten gepredigt werden.

Der schottische Moralphilosoph David Hume meinte einmal: „Die Regeln unserer Moral sind nicht die Regeln unserer Vernunft.“ Was er damit meinte, ist, dass die Regeln, die wichtig für das Überleben einer Gesellschaft sind, nicht dem logischen Denken Einzelner entspringen, sondern in einem Prozess der kulturellen Evolution entstehen. Ich erkläre es mal am Beispiel des Geldes. Beim Geld war es nicht so, dass sich ein einzelner Verstand zu einem bestimmten Zeitpunkt überlegt hat, wie man den Tausch vereinfachen könnte und dann auf die Idee kam, Gold und Silber als Tauschmittel einzuführen. Die Menschen haben zuerst nur im direkten Tausch gehandelt (Fisch für Banane) und erkannten mit der Zeit, dass eine bestimmte Ware den Tausch vereinfacht und die Nachfrage nach dieser Ware ging nach oben. In einer Küstensiedlung kann das Fisch gewesen sein oder in einem Dorf im Norden Pelz. Einzelne begannen also, Fische zu tauschen und andere Menschen erkannten die Vorteilhaftigkeit dieses Verhaltens und imitierten es. Später haben die Leute entdeckt, dass sich Gold und Silber noch besser als allgemeines Tauschmittel eignen, weil sie unbegrenzt haltbar, leicht teilbar und sehr wertintensiv sind. Menschen entdecken also in einem Prozess von Versuch und Irrtum, welches die effektivste Norm ist, und die anderen Mitglieder einer Gruppe wenden diese Norm dann auch an. Dieser Prozess des Auswählens von Normen kann über Jahrhunderte oder Jahrtausende andauern und geht bis heute weiter. Es werden sehr viele Normen durchprobiert und am Ende überleben die Gruppen, welche die besten Normen ausgewählt haben. Diese Normen sind der planerischen Vernunft weit überlegen; sie beruhen nicht auf Design, sondern auf kultureller Evolution. Wichtig ist: Menschen entscheiden sich nicht bewusst, bestimmten Normen zu folgen und Einzelne „designen“ diese Normen auch nicht, wie zum Beispiel ein Ingenieur ein Auto designt, sondern sie entdecken mit der Zeit, welche Normen am vorteilhaftesten für sie sind. Gruppen, die die falschen Normen wählen, gehen unter, werden erobert oder assimilieren sich an eine erfolgreiche Gruppe.

Der Ökonom Friedrich August von Hayek sagt: „In viel größerem Maß als bisher muss erkannt werden, dass unsere gegenwärtige gesellschaftliche Ordnung nicht in erster Linie das Ergebnis eines menschlichen Entwurfs ist, sondern aus einem wettbewerblichen Prozess hervorging, in dem sich die erfolgreicheren Einrichtungen [Normen] durchsetzten. Kultur ist weder natürlich noch künstlich, weder genetisch übermittelt noch mit dem Verstand geplant. Sie ist eine Tradition erlernter Regeln des Verhaltens, die niemals erfunden worden sind, und deren Zweck das handelnde Individuum gewöhnlich nicht versteht.“ Der letzte Punkt ist wichtig. Traditionelle Normen erfüllen eine Aufgabe, die den meisten Menschen nicht bewusst ist. Deshalb ist es gefährlich, diese evolutorischen/traditionellen Normen durch erfundene/“designte“ Normen ersetzen zu wollen. Evolutorische Normen sind über Jahrhunderte hinweg erprobt und verfeinert worden und enthalten das Wissen von Millionen von Menschen, während designte Normen nur das Wissen Einzelner enthalten können.

Was hat das Ganze mit der offenen Beziehung zu tun? Meiner Meinung nach ist Monogamie und die traditionelle Familie auch eine Norm oder ein Set von Normen, die evolutiv entstanden ist. Die offene Beziehung dagegen ist eine designte Norm, die nicht evolutiv entstanden ist und sich zumindest im Westen, der mit Abstand weitentwickeltsten Kultur, nicht durchgesetzt hat. Es waren auch nicht irgendwelche prüden alten Leute oder religiösen Fanatiker, die anderen eine strikte Sexualmoral und Monogamie aufgezwungen haben. Die Religionen bieten oft nur eine spätere Rechtfertigung für evolutive Normen, die allerdings bereits zuvor entstanden sind. Man hat wahrscheinlich in manchen Gesellschaften dein Modell der offenen Beziehung probiert, doch nur mit geringem Erfolg. Warum? Bei Monogamie und einer relativ strikter Sexualmoral haben die Frauen eine hohe Sicherheit, dass der Mann ihnen auch im Alter treu bleiben wird, und sie nicht für eine jüngere Frau verlässt. Denn alle anderen Frauen befolgen ja auch eine strikte Sexualmoral, sodass es schwer für den Mann wird, eine andere Partnerin zu finden. Das erhöht die soziale Sicherheit und die Geburtenraten. Männer haben den Anreiz, an sich zu arbeiten und attraktiv für eine potentielle Partnerin zu werden, um überhaupt Sex zu haben und eine Familie gründen zu können. Und das nicht nur im Pick Up-Sinn, also dass man Sport macht und an der Männlichkeit arbeitet, sondern sie müssen ein produktives Mitglied der Gesellschaft werden. Männer können sich außerdem sicherer sein, dass die Frau nicht fremdgeht und ihnen das Kind eines anderen Mannes unterschiebt. Die Monogamie hat auch etwas Befriedendes. Ursprünglich konnte sich nur ein Bruchteil der Männer fortpflanzen, doch mit ihr konnte plötzlich jeder eine Frau und regelmäßigen Sex haben. Wenn jeder Mann eine Familie hat, werdend Männer zukunftsorientierter, sparen mehr, dadurch steigt die Produktion und die Gesellschaft floriert.

Gesellschaften mit keiner strikten Sexualmoral haben nicht genug soziale Kohäsion und Antrieb, um auf Dauer zu funktionieren und große Kulturleistungen zu erbringen. Es gibt dazu eine wichtige Studie von Joseph Unwin, die das bestätigt. Er hat über 80 Gesellschaften der letzten 5000 Jahre untersucht und herausgefunden, dass diese immer dann untergingen, wenn sie zu einer lockeren Sexualmoral übergingen. Bei heterosexueller Monogamie und relativ strikten sexuellen Moralvorstellungen florierten die gleichen Gesellschaften aber (siehe hier für eine Zusammenfassung: https://ethikapolitika.org/2014/08/19/civilizations-sex/). Das beste Beispiel für Unwins These sind die heutigen westlichen Gesellschaften. Viele Frauen sind zwischen 20 und 30 Jahren unglaublich promisk und wechseln ständig den Partner. Mit 30 wollen sie dann eine Familie gründen und auf das monogame Modell umsteigen, finden aber keinen Partner mehr, weil die Männer lieber etwas mit einer jüngeren anfangen. Diese Frauen werden ohne Kinder vielfach depressiv, Statistiken gibt es dazu genug. Für die Männer besteht wenig Anreiz, sich an eine Frau zu binden und Kinder zu bekommen, und ein produktives Mitglied der Gesellschaft zu werden. Einerseits werden sie sowieso vom Sozialstaat aufgefangen, wenn sie keinen Erfolg am Arbeitsmarkt haben; andererseits bekommen sie sowieso ausreichend Sex, da Frauen so promisk sind. Männer und Frauen werden gegenwarts- statt zukunftsorientiert, Kultur wächst aber bei zunehmender Zukunfts- statt Gegenwartsorientiertheit. Das Resultat: Kaputte Familien, kinderlose depressive Frauen, hohe Abtreibungsraten, hohe Scheidungsraten, niedrige Geburtenraten, hohe Suizidraten bei geschiedenen Männern etc.. Diese kaputten Familien führen zwangsläufig zu kaputten Kindern. Deine Seminare sind ein gutes Beispiel. Ich nehme an, dass sehr viele Teilnehmer keinen oder einen sehr abwesenden Vater hatte und deshalb wenig erfolgreich bei Frauen ist. In gesunden Familien würden solche Probleme nicht entstehen. Man sieht mit anderen Worten überall den moralischen und kulturellen Zerfall.

Deshalb glaube ich, dass dein Ansatz gefährlich ist, den Leuten zu sagen, beide Modelle wären gleichwertig. Wenn dein Modell wirklich funktionieren würde, warum hat es sich dann vielleicht in Afrika durchgesetzt, aber nicht in den großen westlichen Kulturnationen wie England oder Deutschland, oder auch dem Römischen Reich zu seiner Blütezeit? Eben aus den Gründen, die ich bereits genannt habe. Trotzdem ist dein Modell noch immer die zweitbeste Lösung, denn wenn es wirklich nicht möglich ist, monogam mit einer Frau zu leben, sollte man das zumindest ehrlich kommunizieren und nicht das Vertrauen der Frau missbrauchen und fremdgehen. Serielle Monogamie ist wie eine Droge, man ist für 2 oder 3 Jahre mit einer Frau zusammen bis die Verliebtheit nachlässt, doch eine wirkliche Liebesfähigkeit bei Mann und Frau kann sich dabei nicht entwickeln. Erich Fromm beschreibt das sehr gut in seinem Buch „Die Kunst des Liebens“, dass du in einem vorherigen Artikel genannt hast. Fromm war übrigens auch nicht für die offene Beziehung, sondern für Monogamie.

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