Sexismus zur Fußball-WM? – Wie harmlose Gags zum Shitstorm führen

Sexismus Fußball

Sexismus ist überall, nicht wahr? In der Werbung, in den Medien, und das besonders zur Fußball-WM. So in der Art lautet zumindest der Vorwurf von Spiegel Online und vielen anderen Medien. Hier werden Kampagnen, Social Media Posts und Kolumnen als sexistisch bezeichnet, nur weil sie zum Thema „Frauen und Fußball“ scherzen.

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https://youtu.be/IqGnYcQX97s

Auf der Suche nach dem Sexismus

Es ist Weltmeisterschaft, und ich gebe immer noch keinen Fick auf Fußball. Aber ich muss mich trotzdem mit dem Thema auseinandersetzen. Denn mit dem Fußball-Hype kommen auch die Feministinnen in Rage und sehen an jeder Ecke Sexismus gegen Frauen.

Auch Spiegel Online, die neue Bildzeitung für Idioten, springt auf den Feminismuszug drauf und veröffentlicht einen Artikel darüber, wie sexistisch doch der Fußball sei.

Sexismus

Genau das interessiert gerade die Fußball-Fans. Die wollen nicht nur Fußball sehen – nein, sie überbieten sich gegenseitig mit Sexismus gegen Frauen.

Einer Sache muss ich Spiegel Online Recht geben: Bei ihrer Auswahl kann man wirklich nur den Kopf schütteln.

Der Artikel beginnt mit folgender Aussage: „Vielen Menschen gilt Fußball auch im Jahr 2018 noch als ein Lebensbereich, aus dem sich Frauen doch bitte raushalten sollten.“

Da frage ich mich doch „Wem?“. Wer sagt, dass Frauen sich aus dem Fußball raushalten sollen? Sicherlich wird mal ein Spruch gemacht, dass Frauen keine Ahnung haben vom Fußball. Und dann wird gesagt „Komm Mädel, setz dich hin, guck zu und rede nicht so einen Quatsch“. Und das wird mit jedem gemacht, der keine Ahnung vom Fußball hat, ob Frau oder Mann. Das würde auch mit mir gemacht werden, denn ich habe genauso wenig Ahnung vom Fußball.

Und jetzt kommen wir zu den Beispielen, mit denen Spiegel Online ihren Standpunkt beweisen will.

Bingo-Spiel der Telekom Sport

Die Telekom Sport hat sich ein witziges Bingo-Spiel überlegt für Männer, die mit ihren Freundinnen das Spiel Deutschland – Mexiko schauen.

Telekom Sport

OK, what’s the problem? 70 Prozent dieser Sätze sagen viele Frauen wahrscheinlich wirklich. Und natürlich ist es eine Überspitzung, wie es beim Humor nun mal üblich ist.

Mich nervt diese übersteigerte Empfindlichkeit, wenn es zu Ungunsten von Frauen geht. Das ist ein vollkommen harmloser Gag.

Der Bayerische Rundfunk erklärt Frauen die Abseitsregel

Einen Tag vor der WM postete der Bayerische Rundfunk auf Twitter ein Bild mit der Aufschrift:

„Eine Frau wirft ihrer Freundin, die bereits vorne steht, ein Paar Schuhe zum Bezahlen zu. Das, liebe Mädels, ist ‚Abseits‘!“

Der Shitstorm, der daraufhin folgte, führte dazu, dass die Redaktion das Posting gelöscht hat.

Ich finde es so traurig und bedenklich, dass wir mittlerweile in einer Zeit leben, die verkrampfter und konservativer ist als die 50er Jahre. Man kann keinen Witz mehr machen, ohne dass irgendjemand sich ins Hemd macht und man sich dann genötigt sieht, sich zu entschuldigen.

Böhmermann ruft zur Hetze gegen alle Andersdenkenden und AFD-Wähler auf. Daraufhin gibt es tausende Programmbeschwerden, und es passiert nichts. Aber wenn wegen einem solchen Gag ein paar Frauen angepisst sind, entschuldigen sich die Öffentlich-Rechtlichen.

Dr. Oetkers Love Cake Wettbewerb sexistisch?

Auch Dr. Oetker kommt um einen Sexismus-Vorwurf nicht herum. Unter dem Motto „Back deinen Mann glücklich – auch wenn er eine zweite Liebe hat!“ startete Dr. Oetker Schweiz ein Gewinnspiel, das zum Backen einer Fußball-Torte ermuntern soll.

Back deinen Mann glücklich. Dr. Oetker.

Es folgen massenhaft Kommentare, die Dr. Oetker als sexistisch abstempeln, nicht nur in den Sozialen Medien. Hier ein Auszug aus der Google-Suche nach der Kampagne:

Dr. Oetker sexistisch?

Glücklicherweise bleibt Dr. Oetker der Kampagne treu und kontert in einer Stellungnahme:

„Unsere Kampagne basiert auf dem Fakt, dass über 90% für andere backen und das mit dem Ziel, sie glücklich zu machen. Daraus entstand die Love Cake Kampagne in der unterschiedlichste Menschen zu unterschiedlichsten Gelegenheiten andere glücklich backen. Es geht darum lieben Menschen mit etwas Selbstgebackenem Momente des Glücks und des Genusses zu schenken. Diese Kampagne und auch das im Moment öffentlich diskutierte Fussball Motiv wurde von Dr. Oetker und der Agentur erdmannpeisker von einem Team fast ausschliesslich aus modernen Frauen und teilweise auch Teilzeit arbeitenden Müttern entwickelt.“

So weit ist es gekommen, dass sich das Unternehmen rechtfertigen muss und erklären muss, dass ein Frauen-Team dieses Motiv erstellt hat. Dann ist es ja in Ordnung. Aber wehe, es wäre ein Mann gewesen. Dann wäre das Abendland verloren.

„Back deinen Mann glücklich“. Was ist daran verwerflich? Laut Statista kochen 77,4 % der Frauen mehrmals die Woche. Bei den Männern sind es 20,3 %. Da hat die Werbeagentur und das Dr. Oetker Team die Zielgruppe erreicht, würde ich sagen. Frauen backen mehr, und Männer gucken mehr Fußball.

Es ist doch eine schöne Geste, wenn eine Frau sagt: Ich interessiere mich zwar nicht so sehr für Fußball, aber ich backe einen schönen Fußball-Kuchen für meinen Mann.

backen sexistisch

Südostschweiz-Kolumne: Wo sind die schönen Olgas von der Wolga?

Auch die Schweizer Tageszeitung Südostschweiz erntete harsche Kritik für ihre Kolumne „Wo sind die schönen Olgas von der Wolga?“. Sportchef René Weber machte sich auf die Suche nach schönen russischen Frauen und wurde enttäuscht.

Der Argentinische Fußballverband gibt Tipps, wie Männer ihre Chancen bei russischen Frauen erhöhen.

frauenfeindlich

„Frauen sind Menschen“ – Wer widerspricht dem? Ich habe dieses Konzept noch nie verstanden. Wenn ich eine schöne Frau sehe, dann bin ich natürlich erstmal von ihrer Schönheit angezogen, und vielleicht bin ich auch ein bisschen geil von ihrer Schönheit. Aber wer sagt denn, dass die Frau dadurch kein Mensch mehr ist, oder dass ich mich nicht für die Frau als Mensch interessiere? Woher kommt dieser Bullshit? Wir leben in einer absolut hysterischen Gesellschaft, was das Thema „Darstellung von Frauen“ angeht.

ZDF muss WM-Kommentatorin Claudia Neumann in Schutz nehmen

Leute, es ist Fußball! Jeder, der Fußball kommentiert, bekommt Hass ab, genauso wie jeder Schiedsrichter auf der Welt Hasskommentare bekommt. Nur wenn es eine Frau betrifft, wird wieder das große Fass aufgemacht. Dann heißt es, ihr sei so viel Hass entgegengekommen, weil sie eine Frau ist.

Frauen sind da nichts Besonderes, und Frauen bekommen auch nicht mehr Hass ab als Männer, ganz im Gegenteil.

Wer hat denn verlangt, dass Männerspiele nur von Männern kommentiert werden sollen?

St. Pauli verbietet die Werbung mit der Aufschrift „Nix für Pussys“

Bei „Nix für Pussys“ geht es nicht um Frauen. Es ist aus der englischen Umgangssprache übernommen. Pussy ist ein Wort, dass für Frauen und Männer verwendet werden kann. Genauso gibt es im Englischen die Beleidigung „Don’t be a dick“, heißt so viel wie „Sei kein Arschloch“. Ich habe noch nie jemanden sagen gehört, das dürfte man nicht verwenden, weil es männerfeindlich ist. „Sei nicht so eine Pussy“ ist keine frauenfeindliche Beleidigung, genauso ist „Don’t be a dick“ keine männerfeindliche Beleidigung.

Sexismus in der Werbung

Bei dem Dr. Oetker Beispiel schießt doch gleich der typische Vorwurf der frauenfeindlichen Werbung in den Kopf.

Ja, es gibt den Sexismus in der Werbung. Ich habe auf YouTube eine Playlist mit sexistischen Werbespots gemacht. Darin enthalten sind Videos, in denen Männer wie Müll behandelt werden, oder in denen Männern Gewalt angetan wird, weil es ja so lustig ist. Versteht mich nicht falsch. Ich rege mich über diese Spots nicht auf. Ich finde auch krasse Witze in Ordnung. Aber schaut Euch mal die Werbespots an und überlegt Euch, was passieren würde, wenn die Rollen vertauscht wären. Worin steckt mehr Sexismus? In der Dr. Oetker-Kampagne oder in dem folgenden Werbespot?

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https://youtu.be/TrrHL1gN8WQ

Witzig? Fände ich sicherlich auch, wenn ich mich nicht schon so lange mit dieser Thematik, diesem Empathy-Gap, und mit dieser absolut übersteigerten Hysterie gegenüber „Sexismus gegen Frauen“ beschäftigen würde.

Schreibe mir bitte in die Kommentare, ob ich verrückt bin, oder ob Du es genauso siehst. Kennst Du noch andere Werbespots mit Sexismus gegen Männer? Dann schicke sie mir auch bitte in den Kommentaren zu.

Dein Maximilian

  • Maximilian, du sprichst mir aus der Seele! Vielen Dank! Deine Herangehensweise mit den vertauschten Rollen in den Werbespots finde ich wirklich gut. Dasselbe kann man auch mit dem Begriff des Feminismus selbst tun. Beispiel: Wie klingt es, wenn sich jemand hinstellt und sich selbst als Feminist(in) bezeichnet? Ok, Rollentausch: “Ich bin ein Maskulist!” –> Shitstorm coming up! Eh, voilà…